Alles, was Sie über Krankenstand wissen müssen

Von der Prävention bis zur Gehaltsfortzahlung und weiteren Regeln

Krankenstand

Krankenstand

2020 belief sich der durchschnittliche Krankenstand in Deutschland auf rund 4,3 Prozent. bzw. 11,2 Fehltage pro Arbeitnehmer.  Doch was genau bezeichnet eigentlich der Begriff „Krankenstand“ und wie kann man die genannten Kennzahlen richtig verstehen?  

Mehr dazu können Sie auf dieser Seite lesen. Auf dieser Seite finden Sie alles, was Sie zum Thema Krankenstand in Deutschland wissen müssen.  

Im Inhaltsverzeichnis finden Sie einen Überblick der verschiedenenen Themenschwerpunkte. Wenn Sie also nach Informationen zu einem bestimmten Aspekt suchen, klicken Sie den entsprechenden Punkt einfach direkt an. 

Inhaltsverzeichnis

Krankenstand

Krankenstand in Deutschland

2020 belief sich der durchschnittliche Krankenstand in Deutschland auf rund 4,3 Prozent. bzw. 11,2 Fehltage pro Arbeitnehmer.  Doch was genau bezeichnet eigentlich der Begriff „Krankenstand“ und wie kann man die genannten Kennzahlen richtig verstehen? 

Das kommt ganz darauf an, denn der Krankenstand lässt sich auf unterschiedlichen Wegen berechnen und ausdrücken. 

Darauf gehen wir in diesem Kapitel genauer ein.

Krankenstand in Deutschland

Wie wird der Krankenstand berechnet?

Der Krankenstand kann auf unterschiedliche Weise berechnet und ausgedrückt werden.

  1. Als prozentualer Anteil (z.B. 4,3% im Jahr 2020): In diesem Fall beziffert der Krankenstand den prozentualen Anteil von Beschäftigten, der innerhalb eines bestimmten Zeitraums aufgrund einer Krankschreibung arbeitsunfähig gemeldet war. Man kann somit den Krankenstand etwa für eine Woche, einen Monat oder auch ein ganzes Jahr erfassen. Für das angeführte Beispiel von 2020 bei einem Krankenstand von 4,3% heißt das: Im Durchschnitt fiel jeder Arbeitnehmer für 4,3% seiner jährlichen Arbeitszeit krankheitsbedingt aus.  
     
  2. Als Anzahl der Fehltage (z.B. 11,2 im Jahr 2020): In diesem Fall zeigt die Zahl an, am wievielen Tagen jeder Arbeitnehmer aufgrund einer Krankschreibung seiner Arbeit nicht nachgehen konnte. Für das angeführte Beispiel von 2020 bei einem Krankenstand von 11,2 Tagen heißt das: Im Schnitt fiel jeder Arbeitnehmer aufgrund einer ärztlich bescheinigten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für 11,2 Tage aus.  

Doch woher stammen diese Zahlen eigentlich, welche die Grundlage für diese wichtigen Statistiken bilden? Die Daten werden von den gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) in Deutschland geliefert. Sie stellen unter Einhaltung des Datenschutzrechtes anonyme Daten zur Arbeitsunfähigkeit von Versicherten öffentlich zur Verfügung. Deshalb lässt sich der Krankenstand in Deutschland statistisch relativ einfach ausmachen. 

Doch eine Sache gilt es bei den offiziellen Zahlen zu beachten: Gesundheitliche Belastungen, die nicht zu einer vom Arzt dokumentierten Arbeitsunfähigkeit führen, sind in den gemeldeten Statistiken der Krankenkassen nicht enthalten. Ebenso werden Arbeitnehmer nicht erfasst, wenn sie bis zu drei Arbeitstage fehlen dürfen, ohne dass sie dem Arbeitgeber eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vorlegen müssen. 

Einfach ausgedrückt heißt das: Wenn ein Arbeitnehmer faktisch krank ist, aber sich nicht krankschreiben lässt sondern trotzdem arbeitet, fließen die Tage seiner Krankheit nicht offiziell in die Statistiken zum Krankenstand ein. Das gleiche gilt, wenn ein Arbeitnehmer bis zu drei Tage lang auch ohne AU vom Arbeitsplatz abwesend sein darf und deshalb keinen Arzt aufsucht. Auch diese Fehltage werden von den Krankenkassen nicht erfasst. 

Das Problem mit der Erfassung gibt es aber auch „anders herum“: Nehmen wir an, ein Arbeitnehmer erhält etwa an einem Montag eine AU über die ganze Arbeitswoche (5 Tage), aber fühlt sich am Donnerstag bereits wieder fit genug fühlt, um zu arbeiten. Offiziell werden von den Kassen hier fünf Fehltage gezählt, obwohl es faktisch nur drei waren. 

Außerdem kursieren auch Statistiken zum Krankenstand in Deutschland, die aus kassenexternen Statistiken entstehen, etwa aus Unternehmensbefragungen. Hier werden teils abweichende statistische Methoden zur Berechnung des Krankenstandes verwendet. 

Deshalb bleiben drei Dinge festzuhalten, die Sie unbedingt beachten sollten:

  • Keine Statistik zum Krankenstand in Deutschland kann haargenau und exakt angeben, an wie vielen Tagen Arbeitnehmer (im Durchschnitt) wirklich krankheitsbedingt ausfallen bzw. wirklich krank waren.  
  • Auch wenn die Methode der Erhebung nicht perfekt ist, liefert sie einen annähernd genauen Wert zum Krankenstand in Deutschland. 
  • Die Erhebungsmethode ist über die Jahre hinweg gleichbleibend. Somit lassen sich im Langzeitvergleich aussagekräftige Trends und Veränderungen zum Krankenstand in Deutschland gewinnen.  

Zusätzliche Quellen: Techniker Krankenkasse (123), Süddeutsche ZeitungDAK-GesundheitBundesministerium für Arbeit und Soziales 

Krankenstand in Deutschland

Ursachen für den Krankenstand in Deutschland  

In den jüngsten Jahren zeigte sich beim Krankenstand ein gemischtes Bild: Einerseits blieb der Krankenstand seit 2016 relativ stabil. Es gab also keine großen Ausschläge nach oben oder nach unten. Weiter unten im Text können Sie die genauen Zahlen einsehen. 

Positiv hervorzuheben für das Jahr 2020 ist, dass es insgesamt weniger Krankschreibungen gab als im Vorjahr. Andererseits gibt es zwei Phänomene, die besonders negativ auffallen und durchaus Grund zur Sorge sein sollten:  

  • Vor allem aufgrund von Rückenschmerzen und körperlichen Belastungen durch das Corona-bedingte Arbeiten im Home Office gab es deutlich mehr Krankschreibungen. 
  • Es gab zwar weniger Krankschreibungen insgesamt, aber die Anzahl der Fehltage stieg im Vergleich zu 2019. Dies ist vor allem auf psychisch bedingte Krankschreibungen zurückzuführen. Insgesamt war jeder sechste Fehltag auf eine psychische Erkrankung zurückzuführen.  

Da psychische Erkrankungen meist länger andauern als körperliche Beschwerden, gab es 2020 zwar weniger Krankschreibungen, aber gleichzeitig stieg der Krankenstand im Vergleich zu 2019.  

Außerdem ist zu bedenken, dass sich aufgrund der Corona-Maßnahmen und des Lockdowns ab Herbst 2020 die Zahl der Krankschreibungen wegen Grippe mehr als halbiert hat. Unter „normalen“ Umständen ist im Herbst und Winter eines Jahres, also zur „Grippe-Saison“ der Krankenstand besonders hoch.  

Insgesamt hat die Corona-Pandemie also große Auswirkungen auf den Krankenstand in Deutschland. Für die kommenden Jahre ist damit zu rechnen, dass die Anzahl an Fehltagen durch reguläre Grippewellen wieder steigen wird.  

Allerdings ist auch unklar, inwiefern die sich die zwei anderen wichtigen neuartigen Treiber des Krankenstandes in Zukunft verändern werden:  

  • Psychisch bedingte Krankheiten: Einerseits stiegen psychische Beschwerden in Deutschland bereits vor der Pandemie stetig an, dennoch stellte Corona viele Menschen aller Altersgruppen, unabhängig von Beruf und Familienstand, auf eine bisher ungekannte psychische Belastungsprobe.
  • Körperlich bedingte Krankheiten: Einerseits sind muskuloskelettale Erkrankungen in Deutschland die häufigste Ursache für krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeitstage. Sie betreffen primär körperlich arbeitende Menschen, doch zu einem bestimmten Anteil auch seit langem zunehmend Arbeitnehmer mit Büro-Jobs. Durch das nun weit verbreitete Arbeiten im Home-Office stieg die Anzahl der Fälle deutlich.

Politische Maßnahmen zur Senkung des Krankenstandes in Deutschland

Wirft man einen Blick auf die Politik, so zeigt sich, dass vor allem das Problem psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz erkannt wurde und zu einer wichtigen Querschnittsaufgabe der Bundesregierung gemacht wurde.  

Deshalb wurde im Herbst 2020 die „Offensive Psychische Gesundheit“ von drei Bundesministerien gemeinsam mit einem breiten Bündnis von über 50 Institutionen aus dem Bereich Prävention ins Leben gerufen. 

Doch worum geht es bei diesem wichtigen Projekt? 

  • Die Politik hat verstanden, dass durch die Digitalisierung die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer mehr verschwinden. Dadurch steigen Stress und Belastung durch die Arbeit.  
  • Die Offensive möchte dazu beitragen, dass Menschen ihre eigenen psychischen Grenzen und Belastungen verbessert wahrnehmen können – und auch mit Kollegen oder Arbeitgebern offen darüber sprechen. 
  • Die Initiative soll Arbeitgebern klar machen, dass sie die Verantwortung dafür tragen, dass Arbeit nicht krank macht. Dies soll geschehen, indem Arbeitgeber selbst eine Gefährdungsbeurteilung durchführen und dabei besonders auf das Thema psychischer Belastungen achten. 

Fast zeitgleich mit dem Start der Offensive Psychische Gesundheit veröffentlichte das Bundesministerium für Arbeit und Gesundheit den Forschungsbericht „Verbreitung und Auswirkungen von mobiler Arbeit und Homeoffice“. Der Bericht enthält wichtige  Erkenntnisse zum Thema Gesundheit im Home Office:  

  • Die Auflösung von strikten Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit führt oft zu Stressempfinden und weiteren negativen Auswirkungen auf die Gesundheit von Beschäftigten. 
  • Wenn Home Office der Regelfall ist, kommunizieren Beschäftigte auch Informelles über digitale Medien. Dies wird von Beschäftigten aber auch als arbeitsbezogene Kommunikation wahrgenommen. Somit verschwimmt auch die räumliche Trennung zwischen dem Arbeitsplatz und dem Zuhause selbst außerhalb der Arbeitszeiten.  
  • Beschäftigte mit der Möglichkeit zum ortsflexiblen Arbeiten neigen zu erhöhten Arbeitszeiten, mehr Überstunden, und weniger Ruhepausen. 
  • Beschäftigte, die von zu Hause aus arbeiten neigen dazu, auch bei Krankheit zu arbeiten, anstatt sich arbeitsunfähig zu melden. Am Ende hat solch ein Verhalten aber meist negative Folgen für die Gesundheit der Betroffenen, da Krankheiten verschleppt werden oder sich verschlimmern.  

 

Krankenstand in Deutschland

Volkswirtschaftliche Kosten des Krankenstandes für Arbeitgeber in Deutschland  

Fällt ein regulär beschäftigter Angestellter krankheitsbedingt aus, hat er im Regelfall anspruch auf die Fortzahlung seines Gehalts (mehr dazu erfahren Sie weiter unten im Text). Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft betrugen die Kosten (Bruttogehälter und Sozialversicherungsbeiträge), die Arbeitgeber 2020 in Deutschland für ihre Mitarbeiter im Krankenstand gezahlt haben, 74,3 Milliarden Euro. Schon 2025 wird diese Summe wahrscheinlich anwachsen – auf mehr als 84 Milliarden Euro. 

Indirekte Kosten für Arbeitgeber durch Krankenstand 

Wenn ein Mitarbeiter krank ist, kann er nichts produzieren. Es kommt also bei jeder Krankheit eines Angestellten zu einem Produktionsausfall. Im Durchschnitt verursachte jeder arbeitsunfähige Arbeitnehmer 2019 einen Produktionsausfall von 2.130 Euro insgesamt bzw. 123 Euro pro Krankheitstag. Insgesamt kam es durch krankgeschriebene Arbeitnehmer in ganz Deutschland (2019) also zu einem Produktionsausfall in Höhe von 88 Mrd. Euro.  

Fast 39% des krankheitsbedingten Produktionsausfalls sind auf die zwei größten Gruppen an Krankheitsdiagnosen zurückzuführen:  

  • Krankheiten an Muskulatur, Skelett oder Bindegewebe, klassische Krankheiten bei körperlicher Arbeit verursachten 22 Prozent aller krankheitsbedingten Produktionsausfälle 
     
  • Psychische Krankheiten und Verhaltensstörungen waren für rund 16 Prozent aller krankheitsbedingten Produktionsausfälle verantwortlich. 

Ursachen für den Anstieg sind der Studie zufolge der gegenüber dem Vorjahr erneut leicht erhöhte Krankenstand, die durch die günstige Beschäftigungsentwicklung hohe Anzahl an Arbeitnehmern sowie die jährlichen Lohnsteigerungen. Selbst bei einer konstanten Fehlzeitenquote würden die anhaltend günstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zusammen mit den jährlichen Gehaltsanpassungen zu stetig steigenden Aufwendungen führen, so das Institut. 

Im nächsten Abschnitt erfahren Sie mehr zur Entwicklung des allgemeinen Krankenstandes in Deutschland und darüber, ob kürzere oder längere Abwesenheitszeiten den Großteil der Fehltage ausmachen. 

Lesen Sie es hier: Wieviel kosten Krankheitstage?

Krankenstand in Deutschland

Entwicklung des Krankenstandes in Deutschland

Laut statistischem Bundesamt stieg der Krankenstand (in Fehltagen) In den vergangenen Jahren leicht an. Während jeder Beschäftigte in den Jahren 2017 und 2018 durchschnittlich 10,6 Fehltage verzeichnete, stieg die Zahl 2019 auf 10,9 Tage und 2020 auf 11,2 Tage. Die genauen Zahlen finden Sie weiter unten.  

Um die Statistik rund um den Krankenstand greifbarer zu machen:

Den höchsten Krankenstand in den letzten 30 Jahren verzeichnete Deutschland im Jahr 1995 (5,07 % bzw. 13,0 Fehltage), den niedrigsten Krankenstand gab es 2007 (3,22 % bzw. 8,1 Fehltage). 

Krankenstand in Deutschland

Sonderfall: Krankenstand im öffentlichen Dienst

Neben dem allgemeinen Krankenstand, der über die Gesetzlichen Krankenversicherung erhoben wird, ist in Deutschland auch der Krankenstand im öffentlichen Dienst eine wichtige Größe. Die Zahlen der unmittelbaren Bundesverwaltung zu den krankheitsbedingten Fehlzeiten in der Bundesverwaltung deuten an, dass der Krankenstand bei öffentlich Bediensteten in Deutschland höher ist.  

Allerdings gibt es zu den Fehlzeiten der kommunalen Verwaltungen sowie Landesverwaltungen keine deutschlandweiten Zahlen.  

Die genauen Zahlen zum Krankenstand der öffentlich Beschäftigten der unmittelbaren Bundesverwaltung  finden Sie weiter unten. 

Krankenstand in Deutschland

Wie lange sind Deutsche im Krankenstand?

Generell zeigt sich bei Krankschreibungen in Deutschland ein Trend: Die Dauer längerer Krankheitsfälle (mit einer Dauer von mehr als zwei Wochen) nimmt seit längerem zu. Zuletzt lag das Wachstum derartig langer Krankschreibungen zwischen 2019 und 2020 bei +7 Prozent.  

Nimmt man die offiziellen Zahlen der AOK-Mitglieder – immerhin fast ein Drittel aller Deutschen – als Maßstab, zeigt sich: Tatsächlich sind krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeitsfälle von mehr als 14 Tagen für mehr als zwei Drittel – nämlich genau 69,4% des Krankenstandes beschäftigter AOK-Mitglieder verantwortlich.  

Besonders fällt auch auf, dass annähernd die Hälfte aller AU-Fälle im Jahr 2020 auf längere Krankschreibungen mit mehr als 42 Tagen zurückzuführen sind.  


*Eigene Darstellung basierend auf Daten des Fehlzeitenreports 2021 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. 

Wie sehr der Krankenstand in Deutschland von längeren Fällen von Arbeitsunfähigkeit geprägt ist, zeigt sich auch beim Blick auf den nächsten Graphen. Hier kann man sehen, wie hoch der Anteil verschiedener AU-Falldauern and der Gesamtzahl aller AU-Fälle im Jahr 2020 war.  

*Eigene Darstellung basierend auf Daten des Fehlzeitenreports 2021 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK 

In mehr als 6 von 10 Fällen melden sich Arbeitnehmer in Deutschland für maximal 7 Tage krank. Hingegen meldeten sich Beschäftigte in nur in 2 von 10 Fällen für mehr als 2 Wochen krank.  

Festzuhalten bleibt also: In den allermeisten Fällen fehlen Menschen am Arbeitsplatz nur für eine kurze Zeit. Allerdings sind längere Erkrankungen für einen Großteil der Fehltage verantwortlich. Der Krankenstand in Deutschland wird also besonders geprägt von längeren AU-Fällen, die Arbeitgeber wegen Produktionsausfällen besonders belasten können.  

Krankenstand in Deutschland

Krankenstand im öffentlichen Dienst in Zahlen

Der öffentliche Dienst steht in Deutschland seit längerem in der Kritik, weil der Krankenstand deutlich höher ist als unter Beschäftigten in der freien Wirtschaft.   

Wegen des Föderalismus ist es in Deutschland allerdings sehr schwer, einheitliche Daten zu gewinnen, da öffentlich Bedienstete auf Eben des Bundes, der Länder, teilweise der Bezirke, oder der Kommunen angestellt sind.  

Einen guten Anhaltspunkt bieten aber die Statistiken der Beschäftigten der unmittelbaren Bundesverwaltung. Dort entwickelt sich der Krankenstand in den letzten Jahren wie folgt:

Krankenstand im öffentlichen Dienst (unmittelbare Bundesverwaltung)

2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019
In %
7,87%
7,67%
8,07%
8,37%
8,19%
8,80%
8,28%
In felttagen
19,8
19,3
20,3
21,0
20,6
21,4
20,7
Krankenstand in Deutschland

Allgemeiner Krankenstand in Zahlen

Der allgemeine Krankenstand in Deutschland fällt deutlich niedriger aus als der reine Krankenstand im öffentlichen Dienst. 

Generell zeigt sich in den jüngeren Jahren ein schwacher aber spürbarer Anstieg des Krankenstandes. 2020 überschritt der allgemeine Krankenstand in Deutschland auch erstmals seit langem die Marke von elf Fehltagen. 

Falls mit einem weiteren Anstieg zu rechnen ist, sollten Unternehmen geeignete Maßnahmen ergreifen, um den Krankenstand zu reduzieren.  

Krankenstand in Deutschland

2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019
In %
3,8%
3,8%
3,8%
4,0%
4,3%
4,3%
4,4%
In felttagen
9,5
9,5
10,0
10,8
10,6
10,6
10,9
Krankenstand

Krankenstand und Arbeitsumfeld

Das Arbeitsumfeld von Beschäftigten in Deutschland hat eine große Auswirkung auf den Krankenstand in Unternehmen.  

Die Art der ausgeübten Tätigkeit hat erheblichen Einfluss auf das Ausmaß der Fehlzeiten. Dabei sind besonders zwei Entwicklung besonders zu beachten:  

  1. Der Krankenstand ist nach wie vor besonders hoch bei Berufsgruppen, die einer hohen körperlichen Belastung ausgesetzt sind.
  2. Durch Corona und Änderungen in der Arbeitswelt, gab es eine deutliche Zunahme von Rückenbeschwerden im Home-Office-Jahr 2020.
  3. Seit 2010 haben die Krankheitstage aufgrund psychischer Erkrankungen stetig zugenommen. Dabei dauerten psychische bedingte Arbeitsausfälle mehr als doppelt so lang wie der Durchschnitt aller Arbeitsausfälle. 

Doch es gibt auch gut Nachrichten: Viele Arbeitsbelastungen sind vermeidbar und lassen sich vorbeugen 
Unternehmen können also durch gezielte Maßnahmen Ihren Krankenstand senken. Um dabei erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen Wissen über di gesundheitsgerechten Gestaltung von Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen aufbauen und geeignete Maßnahmen umsetzen.

Krankenstand und Arbeitsumfeld

Krankenstand wegen körperlicher Belastung

Wie das IGES Institut feststellte, gab es 2020 im Vergleich zum Vorjahr eine deutlich Zunahme bei Ausfalltagen wegen Rückenschmerzen. Diese stiegen im Corona-Jahr 2020 um sieben Prozent. Insgesamt blieben Probleme mit dem Muskel-Skelett-System, wozu auch Rückenschmerzen zählen, die Ursache Nummer Eins für Fehltage.  

Wie groß die Auswirkung körperlich belastender Arbeit auf den Krankenstand ist, haben Wissenschaftler des National Research Center for the Working Environment in einer Fallstudie untersucht.  

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie: 

  • Eine hohe körperliche Belastung am Arbeitsplatz erhöht das Risiko kurzer Fehlzeiten (1-5 Tage) im Vergleich zu Tätigkeiten ohne ausgesprochene körperliche Belastung nur wenig.  
  • Belastende körperliche Arbeit führte mit deutlich erhöhter Wahrscheinlichkeit zu einer Krankschreibung von mehr als sechs Tagen. Im Vergleich zu anderen Tätigkeiten stieg das Risiko, sechs oder mehr Tage krankheitsbedingt arbeitsunfähig zu sein für Frauen um 24 Prozent, für Männer um 47 Prozent.  
  • Die Beziehungzwischen hoher körperlicher Belastung und krankheitsbedingter Abwesenheit ist also kompliziert. Das Risiko, kurz auszufallen erhöht sich nur wenig. Aber die Wahrscheinlichkeit für einen längeren Zeitraum arbeitsunfähig zu werden, steigt deutlich.  

Die Wissenschaftler erklären, warum wie es dazu kommen kann: Kurze Arbeitsunfähigkeit wird oft durch Krankheiten verursacht, die nichts mit körperlicher Belastung am Arbeitsplatz zu tun haben: Erkältungen, Durchfall, Übelkeit, oder milde virale Infekte. Sie betreffen im zum Großteil alle Berufsgruppen gleich. 

Krankenstand und Arbeitsumfeld

Krankenstand und psychosoziales Arbeitsumfeld

Die Wissenschaftler vom National Research Center for the Working Environment haben auch die Auswirkungen eines belastenden psychosozialen Arbeitsumfeldes auf den Krankenstand untersucht.  

Die zentrale Erkenntnisse : Psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz erhöhen das Risiko längerer Phasen von Arbeitsunfähigkeit.  

Dabei wird betont, dass eine Verbesserung des Arbeitsklimas für Unternehmen eine große Chance ist, den Krankenstand zu senken, weil sich besonders mittlere und lange Phasen von Arbeitsunfähigkeit vorbeugen lassen.  

Das Gemeinsame Deutsche Arbeitsprogramm Psyche, angestoßen vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales erklärt, welche psychischen Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz besonders relevant sind:  

  1. Zu hohe Arbeitsintensität, zu hoher Grad an Termin- und Leistungsdruck
  2. Fehlende bzw. geringe soziale Unterstützung bis zum Extremfall Mobbing – die Konsequenzen sind oft Angststörungen und Depressionen
  3. Lange Arbeitszeiten, viele Überstunden und schlecht gestaltete Schichtarbeit – sie sorgen vor allem für Stress
  4. Hohe Arbeitsplatzunsicherheit – je größer sie ist, desto wahrscheinlicher sind stark ausgeprägte psychische Erkrankungen
  5. Destruktiver Führungsstil, etwa durch schlechte Kommunikation, Unklarheiten, oder Herabsetzungen – Führungsverhalten kann Mitarbeiter tatsächlich krank machen. Ihr Selbstwertgefühl leidet und es kommt zu erhöhtem Stress. 
Krankenstand

Vorbeugung von Arbeitsunfähigkeit

Für Unternehmen ist die Vorbeugung eines hohen Krankenstandes eine entscheidende Herausforderung für langfristigen wirtschaftlichen Erfolg und finanzielle Planbarkeit. 

Die gute Nachricht: Es gibt gut erforschte Maßnahmen, die einen spürbaren und nachhaltigen Beitrag dazu leisten können, durch einen gute Führungskultur unnötige Krankentage durch psychosoziales Belastungen vorzubeugen.  

Sabine Hammer, Professorin für Sozialforschung an der Hochschule Fresenius untersuchte, welche Verbesserungsmaßnahmen für ein besseres Arbeitsumfeld von Beschäftigten besonders positiv aufgenommen wurden. 

Die wichtigste Erkenntnis lautet: Beschäftigte lassen sich nichts vormachen und wollen ernst genommen werden. Wenn sie denken, dass im Unternehmen Unterstützung bei der Bewältigung und Verbesserung von Stress nur angeboten wird, damit sie noch mehr leisten – dann haben Maßnahme zur Eindämmung von Stress keine Chance.  

Vorbeugung von Arbeitsunfähigkeit

Das Schlüsselkonzept zur Verhinderung von Arbeitsunfähigkeit

Der Schlüsselbegriff hingegen lautet: Gesunde Führungskultur. Doch welche Aspekte gehören zu so einer Führungskultur, wenn der Krankenstand durch Belastungen im Job wirklich gesenkt werden soll? 

Wertschätzung 

Ein Ansprechpartner, der für Mitarbeiter gut erreichbar ist, erhöht das Wohlbefinden. Wichtig ist auch regelmäßiges und qualitativ hochwertiges Feedback sowie insgesamt eine positive Fehlerkultur im Betrieb.

Soziale Bindung 

Beschäftigte sind dann zufrieden, wenn die Stimmung unter Kollegen positiv ist und dabei Aufgaben in einem angemessenen zeitlichen Rahmen erfolgreich erledigt werden. Positives Lob vom Chef ist ein weiterer Bonus. All diese Faktoren wirken zusammen und erhöhen die Arbeitsmotivation und die Identifikation von Mitarbeitern mit dem Unternehmen. Soziale Bindungen sind also auch am Arbeitsplatz sinnstiftend.  

Zeit für Gespräche  

Häufig wird von Unternehmen unterschätzt, wie wichtig ausreichend Zeit für einen Austausch zwischen Führungskräften und Mitarbeitern ist. Dabei handelt es sich um ein soziales Bedürfnis, das ausreichend Aufmerksamkeit braucht.  

Keine Kommunikationshürden 

Oft ist es gar nicht die reale Arbeitslast, die Mitarbeiter am meisten unter Druck setzt, sondern erzeugter Druck von oben. Dies geschieht nicht selten, obwohl der Arbeitgeber eigentlich auf eine wertschätzende Kultur am Arbeitsplatz setzt. Der Grund dafür: Kommunikationshürden. Zwischen verschiedenen Ebenen müssen solche Hürden abgebaut werden, indem Wertschätzung und Anerkennung aktiv kommuniziert werden. Ansonsten entsteht ein Gefühl von Druck und geringer Anerkennung.  

Angemessene Arbeitsmittel  

Eine moderne Ausstattung des Arbeitsplatzes und passende Räumlichkeiten spiegeln in den Augen von Mitarbeitern die Wertschätzung des Arbeitgebers wider. Mängel werden schnell als allgemeines Zeichen der Geringschätzung wahrgenommen.  

Angemessene Arbeitsmittel sind eine besonders interessante Stellschraube für Unternehmen, da sie zwei Vorteile gleichzeitig bieten: Einerseits fühlen sich Mitarbeiter durch hochwertige Ausstattung wertgeschätzt, andererseits trägt ein ergonomischer Arbeitsplatz dazu bei den Krankenstand zu senken. Arbeitgeber sollten dabei auch das Home Office Ihrer Beschäftigten im Blick behalten.  

Selbst kleine Verbesserungen, wie eine ergonomische Maus für den Computer trägt bereits dazu bei, Fehltage zu reduzieren

Vorbeugung von Arbeitsunfähigkeit

Wie lässt sich der Krankenstand im Unternehmen senken?

Durch gezielte betriebliche Gesundheitsförderung können Unternehmen den Krankenstand aktiv senken, damit verbundene Kosten sparen und gleichsam ihre Produktivität aktiv steigern. Aus Sicht der Wissenschaft hat sich längst bewiesen, dass betriebliche Gesundheitsförderung mehr bringt als es kostet – und somit einen lohnenswerte Investition ist.  

Natürlich lassen sich niemals alle krankheitsbedingten Ausfälle von Mitarbeitern vermeiden. Besonders Arbeitsunfähigkeit von kürzerer Dauer wegen saisonalen Erkältungs – und Grippewellen lassen sich kaum vermeiden.  

Andererseits lässt sich der Krankenstand durch betriebliches Fehlzeiten – Management aktiv senken – indem man aktiv vorbeugt und somit viele längerfristige Krankschreibung verhindert.  

Unternehmen müssen dabei vier Bereiche und Prozesse möglichst so optimieren, dass sie möglichst arbeitnehmerfreundlich

Bereich 1: Maßnahmen durch den Vorgesetzten 

Es gibt einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Führungsverhalten von Vorgesetzten und den Fehlzeiten ihrer Mitarbeiter. Führungskräfte prägen im Unternehmen die Einstellung, die Mitarbeiter zu Ihrer Arbeit haben. Vorgesetzte haben also eine direkte Vorbildfunktion.  

Darin steckt aber auch großes Potenzial: Stößt Vorgesetzte selbst Verbesserungen am Arbeitsplatz an, etwa indem er sich für ergonomische Arbeitsmittel einsetzt, wird dies als positiv wahrgenommen.  

Bereich 2: Unternehmenskultur und Betriebsklima

Das wohl wirksamste Mittel betrieblichen Fehlzeitmanagements ist eine Unternehmenskultur, die von sämtlichen Mitarbeitern akzeptiert und mitgetragen wird. Dies bildet die Basis für eine dauerhafte Senkung des Krankenstandes im Betrieb. Die Unternehmenskultur sollte dabei folgende Aspekte besonders im Blick haben: 

  • Moderne Unternehmenskommunikation, die bei Mitarbeitern auf Akzeptanz stößt 
  • Offene Information und Kommunikation 
  • Fairness 
  • Berücksichtigung der Individualität der Mitarbeiter 
  • Ausreichende Handlungsspielräume für Mitarbeiter 
  • Eigenverantwortung bei der Arbeit 

Bereich 3: Unmittelbare gesundheitliche Maßnahmen 

Durch die feste Verankerung des Prinzips der Ergonomie in den Arbeitsalltag lässt sich die Anzahl der Muskel-Skelett-Erkrankungen langfristig und effektiv reduzieren. Bedenkt man, wie schwerwiegend die Ausfälle durch diese Art von Erkrankungen sind, lässt sich durch ergonomische Arbeitsplatzgestaltung der Krankenstand besonders effizient senken.  

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Ergonomie ist ein Teilbereich der Arbeitswissenschaft, bei dem sich alles um die Anpassung von Arbeitsbedingungen an den Menschen, seine Bedürfnisse, sein Verhalten und seinen Körper dreht. 

Dabei stehen der Schutz und das Wohlbefinden des einzelnen Menschen am Arbeitsplatz im Vordergrund. Schon kleine Anpassungen können etwa in einem Bürojob  Belastungen vorbeugen, Rückenschmerzen vermeiden und lange andauernde Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems verhindern. 

Ergonomie trägt effektiv dazu bei, den Krankenstand zu senken.

Bereich 4: Personalpolitische Maßnahmen 

Durch gezielte Maßnahmen im Bereich Personal können Unternehmen den Krankenstand nachhaltig und effektiv senken. 

  1. Betriebliches Eingliederungsmanagement: Generell sind Arbeitgeber in Deutschland zum sogenannten betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) verpflichtet, wenn ein Arbeitnehmer in 12 Monaten an mehr als 42 Kalendertagen (30 Werktagen) arbeitsunfähig war. Der Arbeitgeber muss dann entsprechende BEM-Maßnahmen anbieten. Der Angestellte kann jedoch frei entscheiden, ob er an den Maßnahmen teilhaben möchte. Was es mit betrieblichem Eingliederungsmanagement auf sich hat, erfahren Sie weiter unten. 
     
  2. Wiedereingliederung: Im Vergleich zum betrieblichen Eingliederungsmanagement ist Wiedereingliederung für Arbeitgeber eine freiwillige Maßnahme. Auch hier gilt: Ein Arbeitgeber kann Mitarbeitern, die in den vergangenen 12 Monaten insgesamt mehr als an mehr als 42 Kalendertagen (30 Werktagen) krankgeschrieben waren, freiwillige Maßnahmen anbieten. Ziel ist es, dem Arbeitnehmer noch während seiner Krankschreibung stufenweise in den Job zurück zu helfen. Mehr dazu erfahren Sie an späterer Stelle. 
     
  3. Krankenrückkehrgespräche bzw. Fehlzeitengespräche: Gespräche mit Angestellten nach deren Rückkehr aus der Arbeitsunfähigkeit sind eine kostengünstige und effiziente Stellschraube, um im Unternehmen den Krankenstand langfristig zu senken. Ziel solcher Gespräche ist es, Mitarbeitern in vertrauensvoller Atmosphäre eine Möglichkeit zu geben, die Ursachen ihrer Krankschreibungen preiszugeben – ohne vom Arbeitgeber abgestraft zu werden. Solche Gespräche können nicht nur Vertrauen zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten schaffen. Vielmehr noch ermöglichen sie dem Arbeitgeber wertvolle und tiefe Einblicke, die zur Verbesserungen im Betrieb genutzt werden können.
VORBEUGUNG VON ARBEITSUNFÄHIGKEI

Krankenrückkehrgespräch

Wie bereits erwähnt, sind Krankenrückkehrgespräche ein gutes Mittel, auf das Unternehmen nicht verzichten sollten. Sie sind nicht gesetzlich verpflichtend, aber in der Praxis weit verbreitet. Ein solches Gespräch sollte dann stattfinden, wenn der gesunde Mitarbeiter wieder an den Arbeitsplatz zurückkehrt. Im Regelfall sind Arbeitgeber nicht berechtigt, einen Angestellten während der Dauer der Arbeitsunfähigkeit zu einem Gespräch kommen zu lassen.  

Doch bevor man über die konsequente Einführung von Fehlzeitengesprächen nachdenkt, gibt es einiges zu beachten: 

  • Gespräche mit dem Ziel, den Krankenstand zu senken, müssen systematisch nach jeder krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit geführt werden. 
  • Ziel ist es herauszufinden, ob Erkrankungen auf betriebliche Bedingungen zurückzuführen sind.  
  • Für die Gespräche sollte ein Leitfaden erstellt werden.
  • Fällt ein Arbeitnehmer durch wiederholte Fehlzeiten besonders auf, sollten mehrere Eskalationsstufen geplant werden. Bei jedem neuen Gespräch sollten weitere Personen hinzugezogen werden. 

Fragen für das Krankenrückkehrgespräch 

Doch am allerwichtigsten ist, dass von Seiten des Arbeitgebers bzw. der Personalabteilung die goldene Regel von Fehlzeitengesprächen beachtet wird: Gespräche führen nur dann zum Erfolg, wenn Sie unter dem Motto der Mitarbeiterfürsorge stehen. Begegnen Sie einem Angestellten als keinesfalls mit Misstrauen. Folgende Beispiele zeigen Ihnen, wie Sie einem Mitarbeiter am im Fehlzeitengespräch am besten begegnen 

  • „Wir machen uns Sorgen, dass ihre Fehlzeiten etwas mit Ihrem Arbeitsumfeld zu tun hat.“ 
  • „Im Rahmen unserer Fürsorgepflicht möchten wir gemeinsam mit Ihnen herauszufinden, was wir tun können.“ 
  • „Gibt es Möglichkeiten, um diese Situation zu verbessern und Ihre Gesundheit zu fördern?“ 

Nach dem Gespräch sollten die Personalverantwortlichen, basierend auf den Inhalten des Gesprächs, folgende Fragen für sich klären:  

  • Lässt sich etwas an der Fehlzeitensituation im Unternehmen des Mitarbeiters ändern? 
  • Welcher Teil der krankheitsbedingten Abwesenheit wird von der Arbeitsumgebung beeinflusst? 
  • Welche Maßnahmen lassen sich ergreifen, um den Krankenstand nachhaltig zu senken? 
VORBEUGUNG VON ARBEITSUNFÄHIGKEI

Wiedereingliederungsmaßnahmen

Die Wiedereingliederung ist ein im Sozialgesetzbuch rechtlich geregeltes Verfahren, das Arbeitnehmern nach längerer Krankheit erlauben soll, Schritt für Schritt den Wiedereinstieg in den Job bestmöglich zu schaffen 

Wiedereingliederungsmaßnahmen finden statt, während der Arbeitnehmer offiziell noch krank geschrieben wird. Wiedereingliederungen verlaufen nach einem ärztlich betreuten Stufenplan. Dabei wird die Arbeitszeit im wöchentlichen oder zweiwöchentlichen Takt gesteigert. Im Regelfall dauert diese Prozedur sechs Wochen bis sechs Monate, kann aber bis auf 12 Monate verlängert werden, wenn der Mitarbeiter noch nicht voll einsatzfähig ist. Darüber entscheidet im Einzelfall der Arzt. 

Das Ziel: Die volle Arbeits- und Leistungsfähigkeit eines Mitarbeiters wieder herzustellen, sobald dieser wieder „regulär“ nach Genesung seine Arbeit aufnimmt.  

Bei der Wiedereingliederung sind wichtige Dinge zu beachten:  

  • Sie kommt nur für Arbeitnehmer infrage, die ihre bisherige Arbeit zumindest zeitweise wieder ausüben können. 
  • Da der Arbeitnehmer während Wiedereingliederungsmaßnahme weiterhin arbeitsunfähig geschrieben ist, werden Arbeitgeber während der Wiedereingliederung nicht finanziell belastet.  
VORBEUGUNG VON ARBEITSUNFÄHIGKEI

Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)

Ziel des betrieblichen Eingliederungsmanagements ist es, kranke Arbeitnehmer wieder in den Betrieb einzugliedern, künftige Fehlzeiten zu verringern, wiederholte Arbeitsunfähigkeit vorzubeugen und im Falle langfristiger Erkrankungen den Arbeitsplatz eines Mitarbeiters zu erhalten. 

Das Gesetz regelt jedoch nicht im Detail, welche BEM-Maßnahmen durchzuführen sind. Jedoch gibt es bewährte Erfahrungswerte für erste Schritte beim BEM 

  • Informieren Sie Mitarbeiter umfänglich über die Ziele des BEM. 
  • Machen Sie Angestellten klar, dass Sie gemeinsam mit Ihnen Wege suchen wollen, um sie bei der Genesung zu unterstützen. 
  • Bei mehrfach Kurzzeiterkrankten: Schicken Sie unmittelbar nach Erreichen der Sechs-Wochen-Frist eine schriftliche Einladung zu einem BEM-Gespräch an die Privatadresse des Mitarbeiters. 
  • Bei schwerwiegenden Erkrankungen und Langzeiterkrankungen: Warten Sie mehr als 6 Wochen Krankheitszeit, bevor Sie den Erstkontakt mit dem Mitarbeiter suchen. Stellen Sie ihm ein BEM erst in Aussicht, wenn er wieder auf dem Weg der Genesung ist.

Außerdem gibt es zwei wichtige rechtliche Aspekte zu beachten:  

  • Behalten Sie immer im Hinterkopf, dass sich ein Mitarbeiter gegen ein BEM entscheiden kann. Maßnahmen sind nur mit Zustimmung des betroffenen Mitarbeiters durchzuführen.  
  • Ohne angebotenes BEM können Sie einem Mitarbeiter wegen Krankheit nicht kündigen. Im Regelfall ist eine krankheitsbedingte Küdigung ohne BEM rechtlich unverhältnismäßig und wird von Gerichten meistens zurückgewiesen. 
VORBEUGUNG VON ARBEITSUNFÄHIGKEI

Krankenstand durch richtige Arbeitsausstattung senken

Aufgrund der zunehmenden Rückenbeschwerden durch zunehmendes Arbeiten im Home Office wird Arbeitgebern zunehmend bewusst, wie wichtig ein ergonomischer Arbeitsplatz für die Gesundheit von Mitarbeitern ist.  

Besonders länger andauernde Phasen von Arbeitsunfähigkeit durch Muskel-Skelett-Erkrankungen lassen sich bei klassischen „Büro-Jobs“ durch den Einsatz ergonomischer Arbeitsmittel effektiv vorbeugen. Dabei gibt es vor allem zwei Bereiche, die sich leicht optimieren lassen:  

  • Die richtige Haltung bei der Arbeit 
  • Die richtigen Bewegung bei der aktiven Arbeit 

Oft wird dabei zuerst an einen höhenverstellbaren Schreibtisch oder eine ergonomischen Bürostuhl gedacht. Doch oft werden die tausenden täglichen Mausklicks und Anschläge auf der Tastatur übersehen.  

Innovative ergonomische Mäuse und ergonomische Tastaturen – und deren richtige Platzierung auf dem Schreibtisch – sollten deshalb ein wichtiger Bestandteil jedes betrieblichen Maßnahmenpakets sein, das den Krankstand senken soll.  

Hier können Sie mehr darüber lesen, was es zur Ergonomie im Home Office zu beachten gibt. 

Krankenstand

Bezahlung im Krankenstand

Besonders kurze Fälle von Arbeitsunfähigkeit können jeden Angestellten leicht treffen. Durch kleinere Krankheiten wie Erkältungen, Kopfschmerzen oder virale Infekte ist niemand vor krankheitsbedingten Ausfällen sicher.  

Doch 2020 entfiel fast die Hälfte der Fehltage auf krankheitsbedingte Fehlperioden, die länger als 42 Tage dauerten. Viele Arbeitnehmer oder Arbeitgeber sind nur selten mit solchen Fällen konfrontiert.  

Allerdings sollten Angestellte unbedingt wissen, wie es sich mit Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verhält – besonders bei längeren Ausfallzeiten. 

Aber auch Arbeitgeber und Personalverantwortliche können unter gewissen Umständen ihre Kosten für kranke Mitarbeiter senken. Besonders bei einem höheren Krankenstand kann sich das richtig rechnen. 

Wir geben Ihnen die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund zum Thema Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.  

Bezahlung im Krankenstand

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für Arbeitnehmer

Arbeitnehmer in Deutschland werden vom Gesetz sehr stark geschützt – besonders bei Krankheit.  

Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist dabei eines der wichtigsten Elemente. 

Deshalb hat laut Entgeltfortzahlungsgesetz grundsätzlich jeder Arbeitnehmer in einem regulären, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis Anspruch auf die Zahlung von Lohn im Krankheitsfall. 

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall: Die Kriterien  

Doch welche Kriterien müssen genau erfüllt sein, damit ein Angestellter seinen Lohn auch im Krankheitsfall vom Arbeitgeber weiterhin ausgezahlt bekommt?  

  • Der Angestellte muss bereits länger als vier Wochen bei seinem Arbeitgeber beschäftigt sein. 
  • Der Angestellte muss arbeitsunfähig sein. 
  • Die Erkrankung des Angestellten muss unverschuldet sein. Mehr dazu unten. 
  • Die Erkrankung muss während der regulären Arbeitszeit bestehen. 

Hat ein Arbeitnehmer die Arbeitsunfähigkeit selbst verschuldet, ist der Arbeitgeber nicht zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verpflichtet.  

Aber: Der Maßstab dafür, was woran ein Arbeitnehmer selber „schuld“ ist, is sehr streng. Um ihn zu erfüllen, muss einer Angestellter besonders leichtsinnig oder vorsätzlich gehandelt haben. Was etwa leichtsinniges Verhalten ist, lässt sich aber wiederum nicht pauschal beantworten und hängt vom Einzelfall ab. 

Außerdem liegt in einem solchen Fall die Beweispflicht beim Arbeitgeber. Um die Fortzahlung von Lohn in bei Krankheit unterlassen zu dürfen, muss der Arbeitgeber also beweisen, dass ein Arbeitnehmer eine Arbeitsunfähigkeit selbst verschuldet hat.  

  • In folgenden Fällen etwas wäre die Schuld beim Arbeitnehmer, weshalb er keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung hat:  
  • Ein Autounfall als Folge von betrunkenem Fahren. 
  • Eine Schlägerei provozieren und dann in dieser selbst verletzt werden.  
  • Die Ausübung einer besonders gefährlichen Nebentätigkeit. 
  • Die Ausübung einer Nebentätigkeit, die die eigenen Kräfte überfordert. 

Ein Fall, der häufig auftritt und zu arbeitsunfähigkeit führt, ist eine Sportverletzung. Deshalb gilt beim Sport auch, was grundsätzlich gilt: Ein Arbeitnehmer muss sich besonders leichtsinnig oder vorsätzlich verhalten, um keine Lohnzahlung im Krankheitsfall zu erhalten. Doch Bundesarbeitsgericht hat bisher noch keine Sportart, noch nicht einmal Extremsportarten als gefährlich eingestuft, auch nicht Klettern oder Fallschirmspringen. Also gelten beim Sport die normalen Grundsätze: Solange man sich nicht besonders leichtsinnig oder vorsätzlich verhält, besteht ein Anspruch auf Lohnzahlung im Krankheitsfall. 

In folgenden Fällen hat ein Arbeitnehmer nichts zu befürchten:  

  • Es kommt beim Skifahren auf markierten Pisten zu einem Sturz.  
  • Beim Fußballspiel kommt es durch ein Foul zu einer Verletzung.  

In folgenden Fällen könnte der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung verweigern: 

  • Der Arbeitnehmer stürzt beim Skifahren außerhalb von markierten Pisten. 
  • Der Arbeitnehmer verletzt sich beim Ausüben einer Kampfsportart. 
Krankenstand

Gesetzliche Regelungen im Fall von Arbeitsunfähigkeit

Für die meisten Deutschen Arbeitnehmer ist das Thema Arbeitsunfähigkeit zum Glück meist nur ein kurzfristiges Thema und natürlicher Teil des Arbeitslebens.  

Der Krankenstand in Deutschland wird sich also niemals ganz auf Null reduzieren, denn Fehltage gehören in Unternehmen zum ganz normalen Berufsalltag. Weder im Unternehmen, noch im Privaten machen sich Menschen viele Gedanken über längere Phasen von Arbeitsunfähigkeit. 

Doch längere Phasen von Fehltagen können selbst junge und fitte Menschen treffen. Enstprechend sollten Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Personalverantwortliche stets gut darüber informiert sein, wie die wichtigsten Aspekte rund um Arbeitsunfähigkeit rechtlich geregelt sind.  

Wir haben für Sie die wichtigsten Dinge kurz zusammengefasst 

  • Was sind die wichtigsten Regelungen rund um Arbeitsunfähigkeit? 
  • Wie kann ein Unternehmen den Krankenstand berechnen? 
  • Kann der Arbeitgeber eine Krankschreibung verlangen? 
  • Wie lange darf man im Krankenstand sein? 
  • Darf ein Angestellter wegen Krankheit gekündigt werden? 
  • Was bekommt der Arbeitgeber erstattet? 
  • Wie verhält es sich mit Urlaub im Krankheitsfall? 
GESETZLICHE REGELUNGEN

Kompakt: Die wichtigsten Regelungen rund um Arbeitsunfähigkeit

Die wichtigsten rechtlichen Aspekte rund um das Thema Krankenstand zusammengefasst:

  • Als arbeitsunfähig gilt ein Arbeitnehmer, der wegen Krankheit die zuletzt vor der Arbeitsunfähigkeit ausgeübte Tätigkeit nicht mehr ausführen kann  –  oder nur unter der Gefahr ausführen kann, dass die Krankheit noch schlimmer wird.
  • Arbeitsunfähigkeit liegt auch dann vor, wenn der Krankheitszustandes an sich noch keine Arbeitsunfähigkeit verursacht, aber gleichzeitig realistisch absehbar ist, dass die weitere Ausübung der Tätigkeit negative Folgen für die Gesundheit oder die Genesung hat.
  • Der Arbeitgeber darf Arbeitnehmer nach dem Grund einer Arbeitsunfähigkeit fragen, aber Arbeitnehmer haben das Recht keine Auskunft zu erteilen. 
  • Reguläre sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer haben in Deutschland einen allgemeinen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall von bis zu sechs Wochen. Dabei müssen aber bestimmte Kriterien erfüllt sein.
  • Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als 30 Tage, erhalten Arbeitnehmer Krankengeld von der Krankenkasse: 70 Prozent des Bruttogehalts, aber nicht mehr als 90 Prozent des letzten Nettogehalts. 
  • Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, dem Arbeitgeber unverzüglich seine Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtlicher Dauer mitzuteilen.
  • Enthält der Arbeitsvertrag keine Vereinbarung, dann gilt die gesetzliche Nachweispflicht: Dauert eine Krankheit länger als drei Tage, muss der Arbeitnehmer am nächsten Arbeitstag darauf ein ärztliches Attest vorlegen muss.
  • Um Zustand von Arbeitsunfähigkeit in den Urlaub zu fahren ist grundsätzlich erlaubt, sofern es die Genesung nicht hindert. Dem Arbeitgeber muss man es auch nicht melden.
  • Arbeitsunfähigkeit schützt nicht vor einer Kündigung. Häufige Kurzerkrankungen oder ein lange Erkrankung geben dem Arbeitgeber sogar das Recht zur Kündigung. Dabei gibt es aber strenge Richtlinien (siehe unten). 
GESETZLICHE REGELUNGEN

Berechnung des Krankenstandes

Um den Krankenstand zu berechnen, müssen Sie nur eine einfach Formel anwenden:  

Krankenstand (in %) = Abwesenheitszeit aller Angestellten wegen Arbeitsunfähigkeit / (Sollarbeitszeit aller Angestellten x 100) 

Dabei können Sie die Abwesenheitszeiten und Sollarbeitszeit in Tagen oder Stunden in die Formel einsetzen. Bei der stündlichen Variante ist das Ergebnis jedoch genauer. Einfacher ist es aber, in Tagen zu rechnen. 

Es gibt aber auch Fälle, in denen keine Arbeitsunfähigkeit vorliegt, aber eine rechtlich anerkannte Arbeitsverhinderung. Dazu zählen:

  • Das Beaufsichtigen, Betreuen oder Pflegen eines erkrankten Kindes 
  • Ärztliche Behandlung zu rein diagnostischen oder therapeutischen Zwecken 
  • Die Inanspruchnahme von Heilmitteln 
  • Jeglich Art von rehabilitative Leistungen 
  • Vorsorge- und Rehabilitationsleistung (ambulant oder stationär) 
  • Kosmetische oder andere Operation auch ohne Krankheitshintergrund  
  • Mutterschutz 
  • Sterilisation

Hier finden Sie hier praktische Excel-Vorlagen für die Berechnung des Krankenstandes 

GESETZLICHE REGELUNGEN

Kann der Arbeitgeber eine Krankschreibung verlangen?

Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, dem Arbeitgeber unverzüglich seine Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer mitzuteilen. 

Enthält der Arbeitsvertrag keine Vereinbarung, dann gilt die gesetzliche Nachweispflicht: Dauert eine Krankheit länger als drei Tage, muss der Arbeitnehmer am nächsten Arbeitstag darauf ein ärztliches Attest vorlegen.  

Kommt der Mitarbeiter dieser Verpflichtung nicht nach, kann dies eine Abmahnung nach sich ziehen. Im Wiederholungsfall handelt es sich sogar um Verhalten, das eine Kündigung rechtfertigt 

Auf keinen Fall dürfen Arbeitgeber eine Krankheit vortäuschen. Das „Blaumachen“ kann möglicherweise drastische Folgen haben: 

  • Fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber 
  • Strafverfahren wegen Betrugs 
  • Schadensersatzforderungen des Arbeitgebers
GESETZLICHE REGELUNGEN

Wie lange darf man im Krankenstand sein?

Wie lange darf man als Arbeitnehmer eigentlich im Krankenstand sein? Auch diese Frage stellen sich die meisten Angestellten vermutlich selten. Aber auch viele Inhaber von Kleinunternehmen sind selten mit einer langen Krankheit eines Mitarbeiters konfrontiert.  

Wir klären die wichtigsten Fragen zu länger dauernder Arbeitsunfähigkeit 

  • Wie lange bekommen Arbeitnehmer weiterhin ihr Gehalt? 
  • Was ist Krankengeld und wer bekommt wieviel? 
  • Darf man einem Angestellten wegen Krankheit kündigen?

Wie lange bekommen Arbeitnehmer weiterhin ihr Gehalt? 

Arbeitgeber sind in Deutschland verpflichtet, erkrankten Mitarbeitern bis zu sechs Wochen (42 Kalendertage) bei Arbeitsunfähigkeit Ihren vollständigen Lohn zahlen. Dieser Anspruch auf Lohnfortzahlung gilt für jede neue Erkrankung. Dabei ist egal, ob der Arbeitnehmer zwischen Erkrankungen gearbeitet hat.  

Ist ein Arbeitnehmer länger 42 Tage am Stück aus demselben Grund arbeitsunfähig, oder ist aus demselben Grund an 42 Tagen im Kalenderjahr arbeitsunfähig, dann zahlt der Arbeitgeber keinen Lohn mehr an den Arbeitnehmer. Ab diesem Punkt springt die Krankenkasse ein und Arbeitnehmer erhalten Krankengeld. 

Was ist Krankengeld und wer bekommt wieviel? 

Ab der siebten Woche der Arbeitsunfähigkeit (ab dem 43. Tag) springt bei gesetzlich Versicherten die gesetzliche Krankenkasse (GKV) mit dem Krankengeld ein. 

Automatisch Anspruch auf Krankengeld haben nur gesetzlich Pflichtversicherte. Freiwillig gesetzlich oder privat Versicherte sollten deshalb eine private Krankengeldversicherung abschließen. 

Wer aber Anspruch hat, kann bei derselben Krankheit innerhalb von drei Jahren bis zu 78 Wochen Krankengeld erhalten. Doch nur bei einer ununterbrochener Arbeitsunfähigkeit. 

Die Höhe des Krankengeldes beträgt 70% des Bruttoverdienstes – bis zur Beitragsbemessungsgrenze (4.827,50 Euro im Monat) – aber nicht mehr als 90 % des Nettoverdienstes. 

GESETZLICHE REGELUNGEN

Unternehmen müssen Ihren Angestellten im Krankheitsfall für bis zu 6 Wochen das volle Gehalt weiterhin auszahlen. 

Besonders für klein- und mittelständische Unternehmen stellt ein hoher Krankenstand ein echtes wirtschaftlichen Risiko dar. Denn neben der der Gehaltsfortzahlung kann auch die wegfallende Arbeitsleistung des Arbeitnehmers schnell zu hohen Kosten führen.  

Aus diesem Grund gibt es die sogenannten „Umlage U1“. Sie ist in Deutschland ist ein finanzieller Pflichtbeitrag, den Arbeitgeber mit weniger als 30 Angestellten an eine Krankenkasse abführen.   

Zahlt ein Arbeitgeber einem Beschäftigten im Krankenstand sein Gehalt aus, wird ihm aus der Umlage zwischen 40% und 80% des fortgezahlten Lohns erstattet. Im Gegensatz zahlt der Arbeitgeber die Umlage  in Höhe von etwa 1-3% des Bruttogehalts an eine Kranke kasse.

Für größere Unternehmen gibt es keine solche Umlagepflicht. Es wird davon ausgegangen, dass große Unternehmen die Belastung selbst tragen können.  

GESETZLICHE REGELUNGEN

Urlaub im Krankenstand

Grundsätzlich ist es nicht verboten während einer Krankschreibung in den Urlaub zu fahren bzw. oder Freizeitaktivitäten zu unternehmen – solange dies nicht die Genesung der Krankheit behindert.

Grundsätzlich müssen sich Arbeitnehmer im Krankenstand nur so verhalten, dass sie schnellstmöglich wieder gesund werden. Freizeitliche Aktivitäten oder Reisen, die dem nicht widersprechen, sind also erlaubt.

Arbeitnehmer müssen über ein solches Vorhaben weder Arbeitgeber noch Krankenkasse informieren.

Was passiert bei Krankheit während des Urlaubs

Zumindest eine gute Nachricht gibt es für Arbeitnehmer, die während des Urlaubs krank werden: Die Anzahl der Urlaubstage, die Sie krank sind, werden Ihnen zurückerstattet und werden somit nicht vom Urlaubsanspruch abgezogen.

Wichtig ist, eine Arbeitsunfähigkeits­bescheinigung vorweisen zu können. Angestellte sollten deshalb auch im Ausland unbedingt einen Arzt aufsuchen.

In Deutschland wird eine AU-Bescheinigung von Ärzten im Ausland anerkannt. Falls es im Urlaubsland kein vergleichbares Formular gibt, bleibt Arbeitnehmern eine einfach und praktische Möglichkeit: Man entbindet den„Urlaubsarzt“ von der Schweigepflicht und lässt sich ein formloses Schreiben ausstellen.

Ganz wichtig für Arbeitnehmer ist außerdem zu wissen: Angestellte müssen bei Krankheit im Auslandsurlaub ihren Arbeitgeber umgehend über die Arbeitsunfähigkeit informieren und ihm auch ihre Urlaubsadresse nennen.

krankenstand

Kündigung im Krankheitsfall

Viele sind davon überzeugt, dass einem Arbeitnehmer in Deutschland wegen Krankheit nicht gekündigt werden darf. Doch das ist falsch.

Wenn ein Angestellter sehr häufig oder sehr lange arbeitsunfähig ist, darf er unter bestimmten Voraussetzungen gekündigt werden. Dafür müssen aber drei Bedingungen erfüllt sein:

  1. Es liegt eine ärztliche Gesundheitsprognose vor, die negativ ist.
  2. Die  wirtschaftlichen und betrieblichen Interessen des Arbeitgeber werden stark beeinträchtigt durch die Fehlzeiten des Arbeitnehmers.
  3. Die Interessen des Arbeitgebers wiegen stärker als die Interessen des Arbeitnehmers.

Die erste Bedingung ist zum Beispiel bei einer chronischen Krankheit erfüllt, weil mit der Arbeitsunfähigkeit auch in Zukunft zu rechnen ist.

Außerdem muss der Arbeitgeber nachweisen, dass die Fehlzeiten betriebliche Abläufe nicht nur extrem stören, sondern  auch zu finanziellen Belastungen führen. Dies kann besonders in kleinen Betrieben passieren, weil es schneller zu Umsatzausfällen kommt.

Zuletzt muss der Arbeitgeber nachweisen, dass seine Interessen höher zu bewerten sind als das Interesse des Arbeitnehmers, den Arbeitsplatz zu erhalten. Dies kann etwa zutreffen, wenn ein Beschäftigungsverhältnis noch nicht allzu lange besteht, aber der Mitarbeiter währenddessen sehr häufig krank war.

Kündigung im Krankheitsfall

Abmahnung wegen Krankheit

Was das Thema Abmahnung im Krankheitsfall betrifft, gelten grundsätzlich zwei Dinge:

  • Nur wegen einer Krankheit darf ein Arbeitgeber nicht abmahnen.
  • Eine Krankheit schützt einen Arbeitnehmer nicht pauschal vor Abmahnung.

Der Arbeitgeber darf erst dann abmahnen, wenn ein Arbeitnehmer ohne Krankmeldung der Arbeit unentschuldigt fernbleibt oder ein Attest zu spät einreicht. In einem solchen Fall ist eine Abmahnung rechtlich erlaubt. Sogar eine fristlose Kündigung.

Ebenso können Arbeitnehmer abgemahnt, fristlos gekündigt, und sogar wegen Betrugs angezeigt werden, wenn Sie trotz fristgerechter Krankmeldung und AU-Bescheinigung einer anderen Beschäftigung nachgehen, die nicht der regulären Beschäftigung entspricht.

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